'Marc
Bloch Seminar'
WS 2007-2008
am
Kulturwissenschaftlichen Institut
der Humboldt Universität
Doz.: Jean Clam (Centre
Marc Bloch, Berlin)
Do. 18-20 Uhr
Sophienstr. 22-22a.
10178 Berlin
Libertinismus im XVIII. Jh.
Zu einer Figur des Gefühls und des Begehrens.
Argument:
Das höfische Frankreich des XVIII. Jh. bringt eine
Erscheinung hervor, die, gemessen an den bisherigen Kulturen
der Liebe, einzigartig ist: den Libertinismus (frz..
libertinage). Dieser verdichtet sich gesellschaftlich in
einer männlichen Figur, der des "libertin". Literarisch
findet er Ausdruck in einer Gattung, der der libertinen
Erzählung (als Roman oder Novelle).
Das Seminar
will beiden Erscheinungen, der gesellschaftlichen und
literarischen, nachgehen. Es geht zunächst um Eingrenzung
und Erfassung des Phänomens, um seine Entstehungsbedingungen
und seine Karriere durch das ganze Jahrhundert hindurch (von
der Régence – 1715 – bis zur frz. Revolution). Dann soll
seine Koexistenz mit einer ihm entgegensetzten Kultur des
Liebesgefühls, die für ihn letztlich die Rahmensemantik
bildet, hinterfragt werden – die Frage würde lauten:
'Rousseau mit Sade'. Abschließend sollen Bestandteile des
Libertinismus identifiziert werden, die sich von dieser
seiner historischen Erscheinung ablösen lassen, und die man
in anderen, für andere Liebes- oder Genusskulturen
charakteristische Begehrensfiguren wieder findet.
Die
Veranstaltung ist eine Übung, die zum theoretischen Umgang
mit Kulturphänomenen anleiten soll. Ausgehend von einem
historischen Fakt der Kultur, gilt es eine Vielfalt von
wissenschaftlichen, literarischen, konjekturalen
(psychoanalytischen) Beobachtungsweisen zu mobilisieren, um
es zu Resonanz zu bringen und aus ihm Sinn zu machen.
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